event: Cinematic / Transmedial Herbarium – 31.10.2018


Lange Nacht mit Kurzfilmen, Installationen und Objekten im exMedia Lab.
In Zusammenarbeit mit der AKADEMIE DER KÜNSTE DER WELT
Konzept und Organisation: Mathias Antlfinger, Verena Friedrich, Ute Hörner und Aneta Rostkowska.

Mit JUMANA EMIL ABBOUD, JOHN BALDESSARI, YTO BARRADA, LES BLANK MIT MAUREEN GOSLING, ZHENG BO, IGOR UND IVAN BUHAROV, DAVID CLAERBOUT, VERA DREBUSCH, BINIAM GRAFFÉ, MIRA RACHEL HANAK, CANDICE LIN, STEFFEN MEYN, BEATRIZ SANTIAGO MUNOZ, PAULA PEDRAZA, JESSICA RINLAND, MARTHIN ROZO, JUDITH RÖDER und PIA RÖNICKE.

JOHN BALDESSARIs Versuch, einer Zimmerpflanze das Alphabet beizubringen, ist ein ebenso komisches wie philosophisches Unterfangen: Sein Kurzfilm Teaching a Plant the Alphabet von 1972 thematisiert den sozialen Charakter sprachlicher Zeichen, aber auch die ständige Herausforderung gegenseitigen Verstehens. Das kümmerliche Gewächs kann mit Baldessaris beharrlichen Lektionen naturgemäß wenig anfangen und bleibt von allen Mühen der lehrenden Instanz unberührt. Sein hartnäckiger Widerstand gegen allen pädagogischen Ehrgeiz, aber auch die Unbeirrbarkeit des menschlichen Verständigungsversuchs nehmen dabei zunehmend absurde Züge an.
Aber welche Art von Beziehung, wenn nicht eine sprachliche, haben wir zur stillen Welt der Flora? Ist sie vergleichbar mit dem Verhältnis, das wir zu anderen Menschen oder Tieren haben? Oder ähnelt sie vielmehr unserer Verbindung zu Gespenstern oder verstorbenen Vorfahren, deren Anwesenheit spürbar ist, mit denen wir aber nicht interagieren können? Was bedeutet es, sich im Zeitalter des Anthropozän um einen Kaktus zu kümmern? Betrachten wir Pflanzen schlicht als ästhetische Objekte, die gelegentlich mit spirituellen Bedeutungen versehen sind, oder gibt es Aspekte, die darüber hinausgehen? Was passiert, wenn wir beginnen, den wirtschaftlichen Wert von Pflanzen sowie ihre Verstrickung in die Sozialgeschichte und in politische Zusammenhänge zu verfolgen?
An diesem Abend entfaltet sich ein einzigartiges filmisches und transmediales Herbarium – mit einer Reihe von Kurzfilmen, Kunstinstallationen und Objekten über die faszinierenden Beziehungen zwischen Mensch und Pflanze, mit einem besonderen Fokus auf ökonomische und politische Themen.

Liste der im Raum präsentierten Kunstwerke:
VERA DREBUSCH, Konserven, 2012
BINIAM GRAFFÉ, Pietà, 2017
MIRA RACHEL HANAK, The hidden power, 2018
PAULA PEDRAZA, Humid thoughts from Advent of a Haunt, 2018
JUDITH RÖDER, Fenster V, 2018
MARTHIN ROZO, Drawings of Life, 2015

Liste der Kurzfilme:
– JOHN BALDESSARI, Teaching a Plant the Alphabet, 1972, 18:08 min.
– DAVID CLAERBOUT, Travel, 1996-2013, 12 min.
– Movie Excerpt: Burden of Dreams by LES BLANK WITH MAUREEN GOSLING, 1982,
2:38 min.
– JESSICA RINLAND, Adeline for Leaves, 2014, 13:24 min.
– ZHENG BO, Pteridophilia 1, 2016, 17 min.
– YTO BARRADA, The Botanist, 2008, 20:23 min.
– STEFFEN MEYN, Chronik einer Razzia – Wiesendurchsuchung am Hambacher Forst, 2018,
8:20 min
– BEATRIZ SANTIAGO MUNOZ, Ojos para mis enemigos, 2014, 14 min.
– IGOR AND IVAN BUHAROV, Selection of newer short movies
– JUMANA EMIL ABBOUD, I feel nothing, 2012-2013, 8:06 min.
– PIA RÖNICKE, Peregrinus, 2016, 20 min.
– CANDICE LIN, La Charada China, 2018, 13:45 min.

https://www.khm.de/termine/

Während des Abends wird es möglich sein, Kunstwerke zu kaufen, die im Rahmen des Projekts SURPLUS X FLORAPHILIA entstanden sind. SURPLUS befindet sich an der Schnittstelle von Bildender Kunst, Poesie, Mode und Aktivismus. Eine limitierte Edition von T-Shirts und Hoodies mit Slogans, die von der Welt der Flora inspiriert sind, wurde eigens für das Projekt produziert.

Floraphilia. Über die Verflechtungen von Pflanzenwelt, Botanik und Kolonialismus ist ein zweijähriges Projekt der Akademie der Künste der Welt in Köln. Das Projekt beinhaltet die Ausstellung Floraphilia. Plants as Archives im Academyspace (zu sehen bis zum 18. November), ein Symposium im botanischen Garten und eine Reihe von Veranstaltungen und Ausstellungen im Jahr 2019 (z.B. bei SAVVY Contemporary in Berlin, Council in Paris, La Loge in Brüssel und Bunkier Sztuki Gallery of Contemporary Art in Krakau).

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes